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Saturday 14.05.2011
Das geflochtene Band - Eine Geschichte
Teil I - Licht im Dunkeln
Über uns stand der Mond und sein Licht war so kalt wie der Wind, der unsere Gesichter regungslos werden ließ. Ruhig saß ich da und schaute Sie an. Sie blickte in die Ferne, ihr Körper schien ruhig ihr Blick gefasst. Die Zigarette war halb aufgeraucht und wie immer nahm ich sie kurz an mich, atmete tief ein, ließ den Rauch aus meiner Nase in den kalten Wind gleiten und gab sie ihr zurück. Kein Wort fiel.
Trotz des Windes und der Wellen die sich am Bug brachen, hatte ich das Gefühl in völliger Stille gefangen zu sein. Diese Ruhe gab mir innerlich ein Gefühl, das ganz und gar nicht dem entsprach, was sich um uns herum befand. Sie war nicht kalt, nicht grenzenlos, nicht ängstigend. Ein Gefühl der inneren Zufriedenheit machte sich in mir bereit, trotzdem ich zu ahnen Begann was da auf uns zukam.
Ich spürte, dass es ihr ähnlich ging, wenn sie die Dinge auch anders einschätzte und aus einem anderen Blickwinkel sah. Doch genau deswegen saß sie hier und genau deswegen saß ich ihr gegenüber.
Noch war etwas Zeit - alles Wichtige, was vorzubereiten war, wurde bereits erledigt. Meinen Blick fixierte sich auf das Glas, das mit den Wellen von Tischrand zu Tischrand auf dem feuchten Holz umherwanderte und jedes Mal mit einem tiefen glasigen Ton an den Rand stieß. Das wenige Licht spielte mit dem Glas. Es wurde zum Zentrum der Nacht - so als würde sie es mit ihren Händen berühren und damit spielen, während der Rest von ihr hinter sich wild um sich schlägt.
In meiner Sache war ich mir hundertprozentig sicher, auch wenn die Ereignisse der nächsten Stunden im Ungewissen lagen. Mein Weg stand fest, mein Kopf war klar, mein Körper bereit. Sie drückte die Zigarette aus, zog sich die Ärmel über ihre Hände und presste den Kopf zwischen die Schultern. Das Mondlicht ließ ihr, im Wind sonst goldig glänzendes, Haar in einem hellen Silber strahlen.
„Noch fünf Stunden“
Er kam an Deck und seine Stimme bohrte sich tief in uns hinein. Wenn uns auch sonst nichts gewiss war, so hatten wir doch einen gesetzten Kurs und einen Zeitpunkt, der über alles weitere entscheiden wird. Noch fünf Stunden – und es geht los. Er schaute mir in die Augen und da ich keine Reaktion entgegen brachte wusste er, dass ich bereit war. Ich war es, weil er es war. Seine klare Stimme hatte es verraten. Sie war so klar, so kräftig und so sauber wie sie nur sein kann, wenn man sich sicher ist auf dem richtigen Kurs zu sein und das richtige zu tun.
Wir schauten zu ihr hinüber, ihr Blick glitt über die Wellen, über das Deck, zum Glas. Es stieß gegen die Tischkante. Sie erhob sich und ging sicheren Schrittes und mit festen Griff am Abstieg unter Deck. Er setzte sich zu mir und holte aus der Kiste neben dem Steuerrad die alte Flasche und füllte das Glas auf. Erst gab er es mir und ich spürte ein Brennen. Dann nahm er einen Schluck.
Ich war ganz froh, dass er hier war. Es hätte auch jemand anderes sein können. Es gibt viele wie ihn. Viele mit seinen Fähigkeiten. Genauso gibt es auch viele mich. Aber es waren wir beide, die dort saßen. Diese wie von der Natur bestimmte und unumstößliche Situation half uns nicht, unsere Unsicherheit zu vergessen aber sie zumindest in der Hintergrund treten zu lassen.
Er stellte das Glas wieder auf den Tisch und es begann seine Wege zu ziehen, das typische Geräusch kam jetzt öfter und er ging unter Deck. Ich blieb oben und meine Gedanken verloren sich nach und nach in der Nacht.
Fortsetzung folgt...
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